E-Learning ist nicht gescheitert

E LearningE-Learning wird erst noch durchstarten, davon gehe ich aus. Man muss schauen wo, das stimmt. In den Schulen und Hochschulen kann es sein, dass das Lernmanagement-System (LMS) sich als Lernraum nicht überall etablieren wird, wie im Artikel „Warum E-Learning gescheitert ist“ von Andreas Wittke erwähnt. Lehrer*innen haben keinen Zugang zu Kursen von Kollegen*innen, die Inhalte sind oftmals in pdf-Form. Es wird in analogen Strukturen gedacht – wie Semestern, und parallel wird eine digitale (Blended) Lernwelt geschaffen. Gelernt und geprüft wird immer zur gleichen Zeit, im Semestertakt. Hinzu kommt die Unsicherheit in Bezug auf das Urheberrecht von Lehrmaterialien.

Fernschulen als Beispiel für E-Learning-Potenzial

Doch es gibt viele Bereiche, in denen das Online Lernen im Kommen ist, zum Beispiel in den Fernschulen. Zögerlich werden erste Online-Kurse erstellt. Aber es macht ja auch Sinn. Fernschulen leben davon, dass die Teilnehmer*innen nicht örtlich und zeitlich zusammentreffen, sondern jeder dort und dann lernen kann, wo und wann er will. Bisher werden die Lehrmaterialien als Hefte verschickt und die Einsendeaufgaben der Teilnehmer*innen können auch schon mal mit der Post eintreffen. Aber es wird daran gearbeitet, die Vorgänge zu digitalisieren. Auch schon aus dem Grund, dass die Lerninhalte immer aktuell gehalten werden. Das läßt sich in einem Lernmanagement-System sehr schnell umsetzen, der Neudruck eines Lernheftes braucht einige Zeit.

Volkshochschulen mit E-Learning-Potenzial

Man kann sich auch die Volkshochschulen ansehen, wenn man das Potenzial des Online Lernens ermessen möchte. Derzeit läuft eine Großoffensive, die Volkshochschulen landauf landab zu digitalisieren. Überall im Land werden Digicircle ins Leben gerufen, in denen sich Volkshochschulen zusammenschließen können, um gemeinsam zu digitalisieren. Dazu gehört auch, dass sich einige Volkshochschulen schon LMS installiert haben. Und es wird ein Portal für alle Volkshochschulen geben, das Moodle- und Ilias-Schnittstellen haben wird und Videokonferenzen, Dateiablage und kollaboratives Arbeiten ermöglicht. Noch lernen die Kursteilnehmer*innen örtlich und zeitlich gemeinsam. Doch warum sollten nicht einige Dozenten*innen die Chance nutzen, die von ihnen erstellen Lehrmaterialien auch als Online-Kurs anzubieten?

Boomende Online-Kurs-Szene im B2B-Sektor

Zudem sei eine sich schnell entwickelnde Szene weltweit erwähnt, in der vor allem selbstständige Coaches, Kreative, Berater*innen ihr Business erweitern, indem sie Online-Kurse anbieten. Meistens ist es ein Zusammenspiel aus Online-Kursen, Webinaren, Challenges und Master Classes, deren Teilnehmer*innen auch online miteinander kommunizieren. Diese Angebote werden von anderen Selbstständigen, Berufs-Wiedereinsteiger*innen, von Menschen, die sich umorientieren und weiterbilden möchten, sehr gern angenommen.

E-Learning gestalten

Aber die Installation eines LMS bringt nichts, wenn es keine Menschen gibt, die es mit interessanten Inhalten füllen können. Und dies gilt für alle Schulen. Es reicht nicht, ein .pdf hochzuladen und zu hoffen, dass die Schüler*innen oder Kursteilnehmer*innen dies spannend finden. Es braucht schon mehr. Die Inhalte sollten in Form von Fotos, Videos, Erklärfilmen, Infografiken, Sketchnotes und Quizzes sein. Und im besten Fall sollten diejenigen dieses Material herstellen können, die die Lerninhalte vermitteln wollen. Doch genau da ist der kritische Punkt: welche Dozenten*innen und Kursleiter*innen können das. Da ist noch viel zu tun. Zudem sollte es ein aktives Forum geben und einen Chatraum. Denn nur, wenn man auch zeitnah Fragen stellen und beantworten kann, macht das Online Lernen Sinn. Fernschulen bieten diesen Service an. Auch die Selbstständigen im B2B-Sektor, die Online Kurse anbieten, haben in der Regel täglich ein Zeitfenster, in dem sie erreichbar sind.

Ausblick

Bisher wird E-Learning meist nur im Kontext von Schulen und Hochschulen betrachtet. Doch das ist verkürzt gedacht. Die Frage ist, wer wo in seinem lebenslangen Lernprozess abgeholt und welche Kompetenzen erwerben kann. Für die Weiterbildung / Fortbildung in Fernschulen, Volkshochschulen und im B2B-Sektor ist E-Learning eine große Chance. Für Hochschulen und Universitäten vielleicht nicht.

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Ich bin überzeugt von Wordpress und lege Websites & Blogs an. Installiere Moodle und darin Online-Kurse, übersetze Inhalte in Materialien wie Videos, Erklärvideos, Fotos, Infografiken, Sketchnotes, Podcasts. Sammle die Namen diverser digitaler Tools, teste. Bin Allrounder ohne Experte eines Tools zu sein. "sugoe" für Susanne Goedeke

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Bericht und vielen Dank für diese Antwort auf meinen Blogartikel.
    Gerade das Beispiel der Fernhochschulen als auch die Volkshochschulen machen mir Sorgen und ich sehe beides etwas anders. Leider finde ich die Quellen nicht mehr und ich hatte es damals nicht gebloggt, aber viele Fernhochschulen haben Probleme. Hagen hat (warum auch immer) inzwischen 15.000 Studenten weniger, die Open University in London hat Finanzprobleme und in Australien als auch in den USA passiert das gleiche. Ob das mit dem Internet zu tun hat oder Missmanagement, weiss ich nicht aber ich würde nicht von Boom sprechen. Die VHSen leben zu 60% von Sprachkursen und das wird so bleiben, da gibt es keinen Grund für einen Change. Die eine oder andere wird etwas online machen aber das wird keine Bedeutung mehr haben.

    Was stimmt ist der B2B Sektor und du hast die NGOs vergessen (was aber auch B2B ist). Da wird sich was tun und das werden neue Anbieter wie Coursera, Udacity, Udemy und Apple sein. Vielleicht schaffen es Klett und Cornelsen noch mitzumischen, ähnlich wie Bertelsmann bei Udacity aber das Business ist weg. Natürlich ist E-Learning nicht gescheitert, was ich als Headline geschrieben, denn das Potential ist da, aber nicht von deutschen Anbietern. Nach meinen letzten Reisen und den ganzen Feedbacks zu meinem Artikel, bin ich da da mehr von überzeugt als vorher.

    Grüße aus dem Norden
    Andreas

    • Herzlichen Dank für die Antwort. Die Entwicklung bleibt spannend. Viele Grüße aus noch mehr aus dem Norden (Oldenburg i.H.) Susanne

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